Ich bin der Überlord und habe meine Schergen im Schlepptau!

Overlord Dark Legend

Ich hab mir vor knapp zwei Wochen ein neues Wii-Game zugelegt, was dann auch prompt am 22. Januar bei mir eintrudelte. Overlord: Dark Legend nennt es sich. Hab es vor einer Weile in einem Rawiioli-Video gesehen und fand, dass es ganz gut aussah. Als ich dann gesehen habe, dass es umgerechnet mich auch nur knappe 12 € kostet, hab ich zugeschlagen.

Ich muss jetzt aber vorwegnehmen: Das Game sieht in Videos besser aus als es letztlich ist. Es ist nicht wirklich sehr schlecht, aber wie dieses rotzige Fuckspiel, über welches ich vorgestern geschrieben habe, verschenkt es viel Potenzial.

Aber gut, mal von Anfang an. Overlord kennen einige sicher in Form von Overlord oder Overlord 2 vom PC, der 360 oder Sonys Heimgrill. Ich kannte es nicht, weiß aber, dass beide Teile Action-RPGs sind. Dark Legend hingegen ist ein reinrassiges Action-Adventure. Man metzelt sich durch mal mehr, mal weniger Gegner und sammelt Gold, mit dem man sich dann bessere Waffen kaufen oder seine Schergen (dazu später mehr) verbessern kann, aber wirklich RPG ist das nicht. Dann wär jedes zweite Game ein RPG.

Overlord: Dark Legend

Die Geschichte dreht sich um den jungen Lord Gromgard, dessen Vater auf einer Reise zu Ruhm und Reichtum für sein Königreich ist, und zwei ältere Geschwister hat, die ihn nicht wirklich leiden können. An seinem 16. Geburtstag wird er in den Thronsaal gelockt und bekommt von so einem seltsamen kleinen Wicht, seinem nun treu ergebenen Diener, die Rüstung des Overlords. Woohoo, wie einfallsreich! Und damit beginnt das Game dann auch richtig. Man hat die Rüstung und damit auch eine Waffe und schnetzelt alles kurz und klein, was einem vor die Axt, das Schwert oder unter den Hammer kommt. Oder man überlässt es den Schergen und guckt einfach nur zu. Das alles macht man, um das Königreich zu übernehmen, zurückzuerorbern oder zu erweitern. Weiß der Teufel. Die Story ist so lächerlich, dass man es sich einfach nicht merkt. Man rennt einfach durchs Land und haut allen aufs Maul, die einem nicht gehorchen. Diese „alle“ können Menschen oder auch Fabelwesen sein. Hier mal eine Hexe, die Zähne an die Zahnfee verkauft. Dort mal Elfen und Zwerge, die man gegeneinander aufhetzt. Erinnert alles doch etwas arg an Shrek.

Und um diesen ganzen Biestern den Tag zu versauen hat man seine Schergen zur Verfügung. Das sind kleine koboldartige Gesellen, die sehr, sehr dumm sind und deswegen alles tun, was man ihnen befielt. Auch wenn es ihren sicheren Tod bedeutet. Der Schergenarten gibt es vier: Braun, Rot, Blau und Grün. Jede Art hat ihre eigene Besonderheiten, so verteilen Braune mehr Schaden als die anderen, Rote schmeißen Feuerbälle aus der Ferne und löschen Feuer, Blaue gehen durch Wasser und Grüne sind immun gegen Gift. Mit Rumpointern und Knöpfchendrücken kann man seine kleinen Bastarde dann über den Bildschirm hetzen, sodass sie Gegner attackieren oder eben das tun, was sie laut Farbe sollen.

Overlord: Dark Legend

Erinnert an Pikmin? Nein, niemals! Ja, doch, schon. Ist ein ziemlicher Pikmin-Klon, allerdings nicht wirklich schlecht. Steuerung funktioniert wunderbar, taktisches Geschick braucht man hier aber nicht. Man hat im Prinzip einen unbegrenzten Vorrat an Schergen, die man an speziellen Orten zu sich ruft. Wenn einer von diesen nutzlosen Idioten dann über den Jordan geht, holt man sich also einfach einen neuen. Bei Gegnern hetzt man auch einfach alles, was man zur Verfügung hat, drauf (beim Endgegner nimmt das ganz merkwürdige Formen an). Geht eigentlich immer gut. Und wenn doch mal alle tot sind, einfach neue holen. Da hätte man doch mehr aus dem „Kampfsystem“ rausholen können, zumal man jede Schergenart extra befehligen kann, wenn man es denn möchte.

Interessant an dem Titel finde ich aber, dass es eine recht ansehnliche Grafik bietet und das ohne auf mir-ist-der-Farbeimer-umgefallen zu setzen. Zwar für viele sicher ein Pluspunkt, allerdings schwächelt das Game hier extrem: ES RUCKELT! Und nicht zu knapp. Ich hatte circa 60% der Zeit das Gefühl, dass es niemals die 30FPS erreicht, sondern mit irgendwas um die 20 vor sich hinzappelt. Minimal schlimmer wird’s, wenn viele Gegner und Schergen aufm Bildschirm ihr Unwesen treiben. Zwar bleibt es immer gut spielbar, aber es nervt schon.
Lustig war auch ein Fehler, den ich zweimal hatte, dass Text nicht in der entsprechenden Textbox am unteren Bildschirmrand angezeigt wurde, sondern am oberen und zum Großteil nicht einmal im Bild war.
Einmal ist es mir übrigens auch hängengeblieben. Ob das jetzt aber an meiner Wii liegt, die vielleicht ihrem Ende entgegen geht, oder am Spiel selbst, weiß ich nicht. War jedenfalls nicht schön, weil ich dann einen Abschnitt komplett neu machen durfte.

Overlord: Dark Legend

Womit ich doch direkt zum nächsten Nervpunkt komme: Speichern! Irgendjemand soll mir bitte erklären, was so verdammt schwer daran ist, ein vernünftiges Speichersystem zu implementieren, das es mir erlaubt, selbst zu speichern… Es gibt lediglich die automatische Speicherung. Und immer zeigt nur ein kurzer Text am linken Rand an, dass gerade gespeichert wurde. Allerdings nur für einige Sekunden. Und da es zwei verschiedene Speicherarten gibt, Statistik und komplett, kriegt man ab und zu nicht mit, was jetzt gespeichert wurde. Man beginnt auch immer wieder im Schloss, wenn man einen Spielstand lädt. Im Prinzip werden da also eh nur grob die Fortschritte gespeichert. Nervig. Nervig. Nervig.

Nervig ist außerdem die Sprachausgabe der Schergen. Zumindest dann, wenn man zum hundertsten Mal „For the Overlord“ von ihnen hört, wenn sie mir gefundene Items bringen. Ist ja nett gemeint, aber übertreiben muss man es echt nicht. Der Overlord hingegen hält das ganze Spiel über sein Maul und man bekommt nicht einmal mit, wieso er überhaupt durchs Land springt und Halblinge und Banditen vermöbelt. Dadurch wirkt er wie eine Puppe ohne eigenen Willen.

Auch wenn ich mit schlechter Kritik nur so um mich werfe, Spaß gemacht hat es dennoch. Es ist anspruchslos, qualitativ nicht auf hohem Niveau und hat nervige Stellen, aber für zwischendurch doch ganz nett. Mit ungefähr sieben Stunden ist es auch ziemlich kurz. Genrefans dürften also ihre Freude mit dem Game haben, besonders bei den niedrigen Preisen, die für das Teil verlangt werden.

3 Kommentare

  1. Wieder mal so ein Game, das still und heimlich veröffentlicht wurde. Nuja, für mich isses, glaub ich, nix – aber bei dem Preis kann ich schon verstehen, warum du schwach geworden bist… ;)

    Antworten
  2. Naja, Overlord ist an sich ganz witzig. Allerdings hast du Recht, da es wirklich einen nervt, wenn die schergen zum x-ten Mal ihr Sätzchen runterleihern. Wenns hilft, einfach mal treten. Oder den Frust an ein paar Unschuldigen ablassen. Macht immer mal wieder Spaß.

    Antworten
  3. @Christian
    Vermutlich besser, dass sie es gemacht haben, ohne groß Aufsehen zu erregen, sonst wäre es sicher von vielen völlig zerfetzt worden.

    @White Skul
    Treten ist überflüssig, kann ich sie doch an der Gurgel packen und solange schütteln, bis sie explodieren :D

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> <img src="" alt="">