Früher war alles besser

Früher war alles besser

Wie fast jeder weiß — besonders alte Menschen —, war früher grundsätzlich alles besser, weil anders und gewohnt. Aber den Leuten, die das dauernd behaupten, glaubt eh niemand. Aber wenn ich euch sage, dass früher wirklich etwas besser war, glaubt ihr mir sicher, nicht? Und das ist mit Sicherheit auch schon anderen aufgefallen und nicht nur mir: Früher hatte man mehr Spaß am Spiel. Und das nicht etwa, weil die Qualität sich geändert hätte.

Im Internet gibt es einfach unzählige Websites die intensiv über Games berichten, einige davon speziell auf bestimmte Games zugeschnitten. Schon vor Release kann man dort alles nachlesen, was die Entwickler bekannt geben. Oder man guckt sich Videos und Screenshots an. Das halbe Spiel kann man, wenn man will, kennenlernen, bevor man überhaupt selbst Hand anlegen kann. Das mag oft gut und nützlich sein, um sich über potenziell interessante Titel zu informieren, aber das hat auch seine schlechte Seite. Ich weiß noch genau, wie ich damals Spiele bis zum Erbrechen, vor allem aber lange und sehr gerne gespielt habe, weil mich die Welten in ihren Bann zogen. Mittlerweile ist das oft anders, ich zocke sporadisch, kann mich manchmal nicht mehr für Welten begeistern, obwohl diese wunderbar gemacht sind. Das liegt zwar teilweise daran, dass ich einfach so viele Games habe, von denen mich eins vom anderen gerne mal ablenkt, oft aber auch daran, dass ich einfach schon so viel von dem weiß, was passiert. Wenn ich beispielsweise in einem RPG unterwegs bin und vorher schon ein Bild oder Video gesehen habe, auf dem alle spielbaren Charakter aufgeführt sind, nimmt das den Reiz. Es fehlt diese Ungewissheit, wenn man mit NPCs spricht, ob diese sich nicht vielleicht anschließen. Das kann man auf so ziemlich alles übertragen, was mit Spielen zusammenhängt: Diverse Waffen, Skills, generell Items, Ereignisse. Ja, alles wird von offizieller Seite gespoilert.

Mir persönlich nimmt das, wie gesagt, oft den Spaß am Spiel. Ich kann mir aus den ganzen Info-Häppchen zusammenreimen, was passiert. Ich weiß, welche Charakter für mich später spielbar sind. Ich weiß, mit welchen Waffen ich im Einzelnen blutlose Leichen in Shootern nicht zerschießen darf. Ich weiß vorab teilweise ins kleinste Detail, in was für Gegenden ich umherreise, wie viele Level es gibt, wie viele geheime Level und was es generell so für Secrets gibt. Das erfährt man nicht zuletzt dank des Achievement-Wahns. Gibt ja einige Seiten, die veröffentlichen ellenlange Listen mit den erspielbaren Belohnungen, woraus dann hervorgeht, was man so dafür machen darf. Wenn ich da an die Zeit denke, als ich nicht dauerhaft Zugang zum Netz hatte. Da war ich auf meine Zeitschriften angewiesen, um etwas über Spiele zu erfahren. Das war quantitativ wesentlich weniger und trotzdem konnte ich recht gut abschätzen, ob die Titel was für mich sind oder nicht. Klar, zu bestimmten Games hat man auch dort auf die nächsten noch so kleinen Infohäppchen gehofft, aber kamen sie nicht, war der Überraschungseffekt für die Spiele auch wesentlich größer.

Ich verfolge natürlich auch die Entwicklung so einiger Games, bei solchen, die ich aber so oder so kaufen werde, habe ich es mir mittlerweile angewöhnt, so gut wie gar nichts darüber zu lesen. Zuletzt war das bei Final Fantasy: 4 Heroes of Light und Golden Sun: Dark Dawn der Fall. Ich wurde nicht enttäuscht. Es ist doch etwas anderes, etwas zu spielen, was man teilweise schon kennt, und etwas, was man so gut wie gar nicht kennt.

4 Kommentare

  1. Ich würde ja jetzt altklug schreiben „Du musst dir die Spoiler ja nicht anschauen!“, aber ich weiß, wie schwer es manchmal ist das nicht zu tun. Besonders wenn man sich über ein Spiel informieren will um zu schauen ob es etwas taugt, sammelt man schnell mal ein paar zu viele Informationen auf.
    Bei Filmen halte ich es inzwischen so, dass ich mir möglichst nichtmal einen Trailer anschaue, da diese ja oft bereits die ganze Story verraten, bzw. man während dem Schauen sonst immer automatisch den Film mit dem Trailer abgleicht, „Diese Szene aus dem Trailer war noch nicht, also muss da noch was kommen“ usw.

    Ich fand es aber auch Mist, wie in Mass Effect im Partyscreen für jedes mögliche Mitglied ein Feld frei war, auch wenn Shepard zum Teil noch garnicht weiß, dass es die Charaktere überhaupt gibt…
    Andererseits kann es aber auch nicht nur der Spoiler sein, der alles verdirbt, sonst könnte man ja manch älteres Spiel das man schon in- und auswendig kennt nicht immer wieder spielen.

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    • Besonders wenn man sich über ein Spiel informieren will um zu schauen ob es etwas taugt, sammelt man schnell mal ein paar zu viele Informationen auf.
      Besonders in Zeiten in Zeiten von Spoiler Wikipedia. Nicht selten dass ich nur mal ein Releasedatum oder so was nachschlagen möchte und danach weiß, wie das Ende aussieht…

      Andererseits kann es aber auch nicht nur der Spoiler sein, der alles verdirbt, sonst könnte man ja manch älteres Spiel das man schon in- und auswendig kennt nicht immer wieder spielen.
      Natürlich nicht. Die spielt man ja immer wieder, weil sie einfach so verdammt gut sind. Beim ersten Mal allerdings, hat man alles auf eigene Faust erkundet. So ging es mir bspw. mit FFVII. Als ich es das erste Mal gezockt habe, wusste ich rein gar nichts über das Spiel. Ich find’s nur etwas für mich selbst schade, wenn ich mir das Gefühl des Erstspielens vermiese, nur weil ich mal wieder zu viel gelesen habe. Gerade bei sehr storyintensiven Games etwas, das man nicht unbedingt machen sollte.

      Bei Filmen ging es mir übrigens ähnlich. Wir hatten uns ja R.E.D. angesehen.Spontanentscheidung. Ich hatte lange nicht so viel Spaß, mir einen Film anzuschauen, weil ich einfach vorher gar nichts darüber gehört hatte.

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  2. Daher bemühe ich mich immer redlichst, meine CrossFirePaladin Einträge spoilerfrei zu halten… damit Leute, die das Spiel spielen wollen vorab nicht zuviel erfahren (Ausnahme: Halo Reach, denn das Ende ist hier JEDEM bekannt, der auch nur ansatzweise mit Halo vertraut ist). Und ich denke, was spoilerfreie Berichte betrifft, schaffe ich das mittlerweile ganz gut. Stundenlanges Schreiben, (meiner Ansicht nach halbwegs) gründliche Recherche und einen Sinn für das, was später im Spiel interessant wird, ohne die Vorfreude darauf vermiesen zu wollen oder zuviel zu verraten sei Dank werde ich das auch weiterhin so handhaben.

    Was die Veröffentlichungspolitik der Hersteller/Publisher/MEdien betrifft… nun, die Guten der Sorte haben es raus, viel über das Spiel zu zeigen, ohne dabei zu spoilern. Hatte damals Berichte, Medien etc. zu „Alan Wake“ en masse reingezogen und trotzdem war das Spiel nicht nur interessant, sondern jede Überraschung, jeder Twist war vorhanden und ungetrüt genießbar. Eine seltene Tugend heutzutage.

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    • Ich versuch auch immer möglichst keine großen Spoiler unterzubringen. Dass man hier und da was verrät, bleibt leider nicht aus, aber das wird teilweise so übertrieben. Ich find das schon extreme, wenn ich in Reviews (oder zu deutsch „Spieletests“…) etwas über das Ende lese, selbst wenn da nur steht, dass es mit einem Cliffhänger endet. Das muss nicht sein.

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