Another Code: R – Vom Suchen und Finden

Another Code R

Vor einer Weile hab ich mir endlich mal Another Code: R – Die Suche nach der verborgenen Erinnerung zugelegt, das Sequel zum DS-Titel Another Code: Doppelte Erinnerung. Auch wenn ich kein großer Adventure-Freund bin — mir liegt die geforderte Denkweise der meisten Adventures einfach nicht — war klar, das muss ich haben, schließlich hat mit Doppelte Erinnerung schon gut gefallen. Für knapp 9 € wäre es auch frevelhaft gewesen, nicht zuzuschlagen.

Kommen wir aber mal zum Spiel. Wer den DS-Teil kennt, weiß, was ihn erwartet: Relativ leichte Rätselkost mit interessanter Story. Es steht auch nicht grundlos „Ein bewegender interaktiver Roman“ auf dem Cover. Das ist nämlich genau das, was man bekommt. Es gibt viel Text. Nicht so viel, wie viele behaupten, aber viel. Und alles ohne Sprachausgabe. Ein Freund von Buchstaben sollte man dann also schon sein, sonst wird man absolut keinen Spaß daran haben. Es gab ja auch relativ viele, die sich über die fehlende Sprachausgabe beschwert haben. Das konnte ich zu Anfang recht gut nachvollziehen, mit der Zeit störte es mich aber gar nicht mehr. Störend ist nur die unsagbare Steife in der Ausdrucksweise. Dort steht Zeug, das würde so keiner sagen. Schon gar kein 16-jähriger, weiblicher Teenager. Da hätte man an der Übersetzung wirklich feilen und das Ganze etwas umgangssprachlicher gestalten können, damit das Identifizieren mit dem Charakter leichter fällt. Die Sprachausgabe wäre da meines Erachtens auch völlig unpassend gewesen. Geschwollenes Geschwafel will ich mir nicht auch noch anhören müssen.

Was mir richtig gut am Spiel gefällt, ist die Grafik. Das wirkt einfach wunderschön. Da weiß ich immer wieder, warum ich kein HD-Gedöns brauche. Von Cing habe ich aber auch nichts anderes erwartet — sowohl Another Code und Hotel Dusk auf dem DS, als auch Little King’s Story sehen großartig aus. Bei der schönen Optik stört es auch nicht weiter, dass man auf Schienen läuft. Man kann sich nur nach links und rechts bewegen, an Abzweigungen darf man auch mal kurz nach oben oder unten, danach aber direkt wieder links/rechts. Das funktioniert entweder per Steuerkreuz oder Pointerfunktion. Da es gameplaytechnisch natürlich auf Point & Click ausgelegt ist, ergibt es natürlich Sinn, dass man auch Pointern kann. Funktioniert auch sehr intuitiv: Einfach auf das zeigen, was man untersuchen möchte, und bestätigen.

Weniger intuitiv ist die „Trigger-Krankheit„. Wer weiß jetzt nicht, was ich meine? Das ist ganz einfach: Für Rätsel A benötigen wir Gegenstand B. Gegenstand B können wir aber erst in unser Inventar aufnehmen, wenn wir bei Rätsel A etwas Bestimmtes erledigt haben (z.B. einen Punkt genauer untersuchen), also einen Trigger auslösen. Das ist recht nervig und war auch schon im Vorgänger nicht besonders spaßig. Erscheint an gewissen Stellen sogar logisch, bspw. wenn man ein Reinigungsmittel findet, aber bisher keinen Verwendungszweck dafür hat, ist meistens aber nervig und führt zu mehr Laufwegen als notwendig. Hier kann man dem Spiel aber zugutehalten, dass man nie wirklich weit zurück muss und fast immer direkt klar wird, was man benötigt, hat man denn alles vorher schon untersucht. Die Rätseleinlagen halten sich also auf recht niedrigem Niveau. An zwei, drei Stellen war ich zwar etwas aufgeschmissen, weil die Lösung mir arg weit hergeholt erschien, aber Rätselfreunden dürfte das weniger Schwierigkeiten bereiten als mir.

Im Grunde aber spielt man Another Code: R auch nicht, weil man großartig rätseln will, sondern um die Story zu erfahren. Was Ashley zwei Jahre nach dem Ende von Doppelte Erinnerung widerfährt. Warum ihr Vater sie plötzlich zum Zelten eingeladen hat. Schon relativ schnell nach der Ankunft wird klar, wohin sich das alles entwickelt. Meines Erachtens entwickelt sich die Story in einem gutem Tempo und ist auch keineswegs langweilig. Vorhersehbar an einigen Stellen sicher, aber das Problem hat Another Code: R sicher nicht als einziges Adventure. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht und mich die 14 bis 15 Stunden gut unterhalten. Wie aber beispielsweise Disaster: Day of Crisis, ist Another Code kein Game, was revolutionär oder gar als bester Genrevertreter gelten kann, sondern stark vom eigenen Geschmack abhängt. Kann man was mit leichten und seichten Adventures anfangen, wird man hier wie ich bestimmt wunderbar unterhalten.

3 Kommentare

  1. Welch überraschend positive Einschätzung. Muss ich es mir wohl doch irgendwann mal noch kaufen …

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    • Nja, wenn man sich an der fehlenden Sprachausgabe, der Trigger-Krankheit und den einfachen Rätseln stören sollte, braucht man das Spiel gar nicht erst auszuprobieren. Mich hat es nicht gestört, deswegen bin ich recht positiv angetan. Den knappen 10er war es aber allemal wert.

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