Geiz ist geil – Was darf ein Videogame kosten?

Money

Eine Frage, die nicht nur alle paar Äonen auftaucht, sondern allgegenwärtig ist. Und nicht selten dann, wenn es wieder um den politisch absolut korrekten Begriff „Raubkopie“ geht. Was darf ein Videogame kosten? Angeheizt wurde die Diskussion auf GamersGlobal durch eine Aussage von Satoru Iwata. Die Diskussion regte mich wiederum zu diesem Artikel an.

Vorab schon mal Applaus für Iwatas Aussage, die korrekter nicht sein könnte. Jegliche Umsatzeinbrüche Schwarzkopien zuzuschreiben ist absoluter Unsinn und sollte bestraft werden. Dass die Qualität entsprechender Produkte eine gleiche wenn nicht sogar wesentlich höhere Relevanz hat, ist für mich ein unbestreitbarer Fakt. Wie viel darf man für entsprechende Qualität aber verlangen?

Bei Games ist es schon seit ewigen Zeiten der Fall, dass sie ihre Einheitspreise haben, die sich je nach Konsole unterscheiden können. Dabei ist es oft egal, ob es sich hier um den nächsten Mainstream-Blockbuster handelt oder um billige Shovelware. Ein My Baby 3 für den DS kostet am Anfang genauso viel wie ein Teil aus Nintendos Vorzeige-Serie The Legend of Zelda. Aus der Volkswirtschaftslehre wissen wir allerdings alle, dass sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt. So fallen Shovelware-Titel wie besagtes My Baby schnell im Preis, während z.B. Phantom Hourglass über einen langen Zeitraum im Preis stabil bleibt. Ein gutes Beispiel, welche Macht der Kunde auf dem Markt ausüben kann. Das Gleiche lässt sich aber auch auf allen anderen Plattformen feststellen.

Wenn man sich allerdings nicht erst seit gestern für Games interessiert, fällt einem auf, dass Games teilweise immer günstiger werden. Nicht zuletzt dürften die Preise im Vereinigten Königreich mitverantwortlich sein. Aktuelle Titel kann man dort im Extremfall für die Hälfte der hiesigen Preises erwerben und nimmt nur eine längere Lieferzeit in Kauf. Welchen Preis man dann im Normalfall zu zahlen gewillt ist, dürfte klar sein. Aber verwöhnt uns das, wenn wir von Preisen anderer Länder profitieren? Sind wir nicht mehr bereit, für Qualität zu zahlen?

Sicher sind nicht gänzlich die Preise anderer Länder schuld, sondern auch Innovationsarmut. Als halbwegs anspruchsvoller Spieler will man nicht den zwanzigsten Aufguss eines Spielsprinzips mit verbesserter Grafik. Man will nicht eine Story zum zehnten mal zocken, nur weil die Charakter im Spiel jetzt realistische Falten im Gesicht haben. Hier stellt sich die Industrie selbst oft unnötig Hindernisse in den Weg, um ihre heißgeliebten Verkaufszahlen zu erreichen. Oder ist gar nicht die Industrie schuld, sondern wir, weil wir nicht mehr Geld als ohnehin schon für Games ausgeben wollen? Sind wir nicht bereit, mehr als 50 bis 70 € für aktuelle Spiele auszugeben, müssen Entwickler ggf. Abstriche machen, um die Entwicklungskosten in Bereichen zu halten, die man mit den vorgegebenen Preisen wieder einspielen kann. Beides dürfte einen Teil der Wahrheit sein. Dass es aber nicht unbedingt so sein muss, beweisen uns jedes Jahr aufs neue Franchises wie Call of Duty und FIFA. Im Prinzip verbesserte Versionen der Vorgänger werden erneut zum Vollpreis verkauft. Und es wird fleißig zugegriffen. Im Anbetracht dessen, dass andere, innovative Games sich nicht verkaufen, der reinste Mindfuck.

Wie kommt man jetzt also auf den Preis, welchen man für ein Stück Software verlangen kann? Dass die starren Einheitspreise auf Dauer keine Lösung sind, ist kein Wunder (siehe Beispiel im 3. Absatz), aber sollte dann es abhängig sein von den Entwicklungskosten? Sollten die Preise generell fallen? Vielleicht sollten sie vielleicht sogar steigen? Im Anbetracht dessen, dass man als Gamer in vielen Fällen sehr viel Unterhaltung für relativ wenig Geld bekommt, wenn man das z.B. mit einem Kino-Enthusiasten vergleicht, der sechs bis zehn Euro für zwei Stunden Film ausgibt, wäre es sogar logischer, die Preise für Games anzuheben. Ob dann aber noch immer so viele bereit sind, wirklich Geld ins Hobby zu stecken, ist äußerst fragwürdig.

Letztendlich gibt es keine allgemeingültige Formel, die die Frage beantworten kann, sondern der Käufer selbst entscheidet, was ihm etwas wert ist. Ist es ihm zu teuer, muss verzichtet werden. Oder es wird kopiert, um den Aspekt vom Anfang wieder aufzugreifen. Schwarzkopieren kann durchaus eine Form des Protests zu hoher Preise sein, auch wenn alle Gutmenschen das nicht wahrhaben wollen. Gutheißen muss man es nicht und jeder soll seine Meinung dazu haben, generell jeden Kopierer zu verteufeln und sich auf Seiten der Industrie, die man selbst auch gerne basht, zu stellen, indem man dieselben Argumente und Vergleiche in die Runde schmeißt, sollte man sich aber sparen. Aber ich möchte nicht schon wieder auf das Thema Schwarzkopie eingehen. Das habe ich hier im Blog schon oft genug angesprochen.

Zuletzt bleibt mir nur zu sagen, dass für mich persönlich das Pay-what-you-want-Bezahlmodell einiger Indieentwickler und Aktionen ein durchaus interessantes System darstellt, was sich in Zukunft vielleicht auch in breiter Masse durchsetzen könnte — allerdings wirklich nur bei unabhängigen Entwicklern. Sonst begrüße ich niedrigere Preise. Zuletzt bei Final Fantasy: The 4 Heroes of Light, welches vom 40-€-Standardpreis für DS-Software abweicht und für nur 25,99 € auf den Markt kam. Ich bin allerdings auch durchaus bereit, wesentlich mehr für ein Game auszugeben, wenn ich denke, ich bekomme einen entsprechenden Mehrwert (Limited und Special Editions sind jetzt mal ausgenommen, die müssen teurer sein, als normale Versionen…). Ich habe viele Games zum Vollpreis gekauft und es seltener bereut, ob es nun 40, 50 oder 60 € gekostet hat. Weiß ich allerdings, dass ein Game nicht so mein Fall sein dürfte, versuche ich es so günstig wie möglich zu bekomme und warte dann auch entsprechend, bis ich es für einen angemessen Preis bekomme.

Und wie stehen meine Leser zu dem Thema? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Teaserbild: Money! by Tracy O (Flickr)

6 Kommentare

  1. Wenn ein Film für ca. 2 Stunden sagen wir mal 10 Euro kostet, müsste ein Spiel für 60 Euro 12 Stunden Spielzeit haben, um das gleiche Verhältnis zu besitzen. Ich denke mal das kommt meist schon hin.
    Wobei natürlich längere Spiele auch nicht teurer sind als kürzere. Eigentlich komisch, denn für die Spieler stellt das doch sicherlich einen Hauptaspekt der Frage dar, wieviel ihnen ein Spiel wert ist.

    Bei den oft günstigen Indie Spielen sind ja auch viele ausgefallenere Ideen mit dabei, auch wenn man den Spielen natürlich das kleinere Budget oft ansieht. Aber ein großer Hersteller kann es sich halt mit dem dicken Budget auch weniger erlauben Risiken einzugehen, sonst sind schnell mal ein paar Millionen Dollar in Rauch aufgegangen. Darum gibt’s jedes Jahr eine Neuauflage irgendeines alten Konzepts.

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    • Wenn ein Film für ca. 2 Stunden sagen wir mal 10 Euro kostet, müsste ein Spiel für 60 Euro 12 Stunden Spielzeit haben, um das gleiche Verhältnis zu besitzen. Ich denke mal das kommt meist schon hin.
      Wenn man bedenkt, wie lange man an einem RTS spielen kann, wenn man sich auch für Online-Multiplayer begeistert, sind 50 € (PC-Games sind ja generell günstiger) kaum etwas. Ebenso bei den Shootern, bei denen man in der Kampagne meist etwas um die 8 Stunden (für 50 bzw. 60 €) bekommt, aber Ewigkeiten online verbringt. Ist ja mittlerweile Kernstück vieler Games.

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  2. Den Vollpreis zu zahlen bin ich nur bei sehr wenigen Games bereit, meistens sind das dann First-Party-Titel von Nintendo, die zu spielen ich kaum erwarten kann. Für die 360 habe ich aber bisher noch immer mein Spiel günstig gekauft und das eine Mal, als ich es bei Dante’s Inferno nicht getan habe, habe ich es auch bereut.

    Generell ist es für Publisher sicher ziemlich schwierig, die Balance zwischen zu erwartendem Publikumsinteresse und vernünftigem Preis zu finden. Weswegen es auch kein Wunder ist, dass ein Call of Duty zum Höchstpreis in den Läden landet – bei den Vorbestellerzahlen.

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  3. Tja, ich weiss nicht, ob und was man überhaupt über die „Spieler“ aussagen kann, die CoD, MW, BF und so weiter für nichts weniger als die Kronen der Schöpfung halten und den Publishern dieser Geschäftspolitik dadurch Massen an Geld in die Portmonees spülen? Ich schätze, dazu versuche ich einfach zu sehr, dem „Mainstream“ (wenn man von ihm reden kann) soweit möglich aus dem Weg zu gehen, bzw. nur Spiele zu spielen, die mich interessieren. Halt, moment… irgendwas stimmt hier nicht. Wenn ich die Spiele spiele, die ich spiele, und die CodMWBF Teil 25.462,8 Spieler auch, wer ist das Opfer? Wer ist der Täter, wer das Opfer? Wer ist das Massenschaf, wer der Outsider? Schwierig, aber nicht weniger komplex bzw. überflüssig, wie die Core/Casual Debatte. Ich möchte immer noch gerne denjenigen steinigen, der mit diesen Wörtern überhaupt erst angefangen hat.

    Versucht bitte nicht zu viel Sinn in meinen Kommentar reinzudeuten, ich habe einfach nur mal das aufgeschrieben, was mir gerade durch den Kopf ging…

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  4. Ich würde den Wert des Spiels keinesfalls nur an der Spielzeit festmachen.

    RPGs sind z.B. oft sehr lang, aber mehr Inhalt als kürzere Spiele haben sie auch nicht, denn den Löwenanteil der Spielzeit machen immer wieder ähnliche Kämpfe aus. Zudem verzichtet man häufig auf teure Technikspielchen. (Selbstverständlich gibt es auch RPGs, die deutlich mehr „echten“ Inhalt haben.)

    Manchmal kann ein kurzes Spiel auch so sehr begeistern, dass es einen hohen Preis rechtfertigt, wie in meinen Augen bspw. Mirror’s Edge. Da hat man ein hohes Risiko auf sich genommen, eine neue Marke, ein neues Spielprinzip und einen ungewöhnlichen Grafikstil zu kombinieren, und herausgekommen ist ein tolles Erlebnis. Da muss die Spielzeit nicht hoch sein, damit mir das viel wert ist.

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  5. @Christian
    Irgendwie kann ich’s nachvollziehen, dass man bei Nintendo-Games bereit ist, es direkt für den Vollpreis zu kaufen. Da kriegt man meist ein fertiges Produkt, das lange Spielspaß bietet. Aber das hab ich auch bei einigen anderen. Ist allerdings stark vom eigenen Geschmack abhängig, bei welchem Entwickler man dazu bereit ist.

    @Paladin
    Durchaus konfus, durchaus.

    @funkyStu
    Ich stimme dir zu, dass die Spielzeit im Grunde keine Wertungsgrundlage für das Bemessen des Preises ist, da es eben nicht für Qualität spricht, allerdings ist es davon abhängig, ob man selbst den Spaß aus der Spielzeit zieht. Ich z.B. habe gar nichts gegen langes Grinding in RPGs. Das ist für mich sogar ein Teil davon. Und wenn ich dann bei 40 Stunden auch bei den geschätzten 30% Grinding meinen Spaß habe, bin ich durchaus bereit, dafür mehr Geld hinzulegen, als für einen 8-Stunden-Shooter.

    Aber viel wichtiger ist dann eben schon die Innovation. Wenn ich gute Indie-Games kaufe und damit einen Entwickler unterstützen kann, mache ich das gerne. Das war z.B. bei LostWinds (WiiWare) der Fall: Äußerst kurzes Game, war mir die 10 € aber komplett wert, weil es einfach ein so unglaublich schönes Erlebnis war und ist. Mirror’s Edge hat mich bisher aber nicht so begeistern können.

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