O du fröhliche Doppelmoral

Medal of Honor

Die Diskussion um die im neuen Medal of Honor spielbaren Taliban hat sicher jeder mitbekommen. Genauso wie Capcom seinerseits bei Resident Evil 5 einlenkte und nicht nur schwarze Zombies einfügte, streicht EA die Taliban aus dem Multiplayer.

Weil es also so einigen Leuten gegen den Strich geht, dass die Amerikaner nicht nur auf die Taliban schießen und sie mit Kugeln zerfetzen, sondern die ganze Sache auch andersherum geht — welch grausiges Gräuel —, musste etwas geändert werden. Aber nicht die Tatsache, dass sich die Taliban im Singeplayer wehren, stößt besagten Leuten auf, nein, es ist die Spielbarkeit derer im Multiplayer. Und nun hat man diese einfach umbenannt in Opposing Force. Während im Singeplayer alles beim Alten bleibt, kämpft man im Multiplayer also gegen eine völlig andere Fraktion. Oder doch dieselbe, nur mit anderem Namen?

Obwohl nur der Name geändert wurde, scheinen sich mal wieder alle zufrieden zu geben. Einer der Gründe für die Umbenennung ist das Feedback von Personen, die Angehörige oder Freunde im Krieg gegen die Taliban verloren haben. Lächerlich, wenn ihr mich fragt. Was macht es für einen Unterschied wie der Gegner heißt? Was die Umbenennung der Gegenseite in einem Modus ändert, muss mir jemand erklären. Und überhaupt, haben die Taliban keine Angehörigen?

Interessant daran ist, dass sich mit Sicherheit niemand von denen aufregt, wenn dieselbe Thematik in einem Film vorkommt. Wird Zeit, dass Games auch endlich weitestgehend als Medium akzeptiert werden wie Filme. Aber es regt sich auch niemand auf, wenn der xte Weltkriegsshooter erscheint. Gibt es nicht immer noch Nachkommen Gefallener? Hauptsache die zeitliche Ferne zum Konflikt lässt alles viel harmloser erscheinen.

Aber die Amerikaner halten sich eh immer für die tollsten der Tollen und haben einfach immer Recht. Deswegen darf man haufenweise Taliban abknallen, aber wehe sie wehren sich und drehen den Spieß um. Und das dann auch noch in einem Videospiel verfügbar machen… Was wäre wohl, wenn man die Geschichte des 2. Weltkriegs mal ändern würde und die Japaner schmeißen ein, zwei Atombomben auf die USA? Ich glaube, ich möchte es nicht wissen.

Na ja, what ever. Warum mach ich mir konfuse Gedanken wegen so einem Blödsinn…

3 Kommentare

  1. „Und überhaupt, haben die Taliban keine Angehörigen?“

    Doch, aber selbst wenn diese Medal of Honor spielen, werden sie wohlkaum EA kontaktieren mit der Beschwerde, dass das Spiel sie diskriminiert weil der Cousin im Dienste der Taliban ums Leben gekommen ist.

    Naja im ernst: Das Problem ist ja nicht die Tatsache, dass Taliban im Spiel vorkommen, sondern, dass man ihren Blickwinkel einnehmen kann und dann damit beauftragt ist US Soldaten zu töten. Sowas trifft auf Filme nich zu.
    Selbst wenn ein (fiktiver) Film nun das Leben der Taliban darstellen würde, mit Taliban Leuten als Protagonisten, und selbst wenn darin auch US Soldaten getötet würden, dann würde es wahrscheinlich als Anti-Kriegsfilm gelten weil die Aussage so viel wäre wie „Auch die Taliban sind Menschen“. Im so einem Spiel aber werden die Taliban auch nicht vermenschlicht, sondern es wird lediglich zum Spieler gesagt: „Du bist Taliban, töte die US Soldaten“.
    Mich persönlich würde das auch nicht soo sehr stören, aber irgendwie kann ich schon verstehen, wenn sich Angehörige von Gefallenen dadurch vor’s Knie getreteten fühlen, und auch, dass man bei EA dann in so einem Fall nachgiebt und die Taliban umbenennt.

    Und ja, die zeitliche Distanz zum zweiten Weltkrieg macht es nunmal einfacher, über sowas bei WW2 Spielen hinweg zu sehen.

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    • sondern es wird lediglich zum Spieler gesagt: “Du bist Taliban, töte die US Soldaten”.
      Und genau da kann mir niemand erklären, warum das schlimmer sein soll, als „Du bist US-Soldat, töte die Taliban!“. Die Glorifizierung der US-Amerikaner im Bezug auf ihre zweifelhaften militärischen Konflikte geht mir gegen den Strich. In jedem zweiten Game kämpft man gegen das angeblich Urböse, aber wehe es geht andersherum, dann gehen direkt alle auf die Barrikaden, weil sie einen Angehörigen verloren haben, der dafür gesorgt hat, dass andere ihre Angehörigen verlieren. Die jammernden denken grundsätzlich nur an sich und ihr Schicksal, nicht an das der anderen.

      Und ob es jetzt was anderes ist, ob man den Taliban spielt (sie sehen vermutlich immer noch gleich aus), der auf Opposing Force hört, oder er weiterhin Taliban heißt, macht auch keinen Unterschied… Und konsequent ist die Entscheidung auch keinesfalls, da im Singleplayer die Opposing Force immer noch Taliban heißt.

      Aber gut, soll jeder sehen wie er möchte. Ich halte diesen ganzen Kram für völligen Blödsinn und Games sollten so auf den Markt kommen, wie sie geplant waren.

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      • Sehe ich genauso. Wie der Feind heisst, ist irrelevant. Dass der Feind allerdings auch Gründe, Motive, Familie und ein Leben hat, was er verteidigen will, daran denken immer die wenigsten. Spätestens hier ist doch immer wieder klar, wie beschränkt die Sichtweise der Menschen ist. Krieg führen um des Krieges willen.

        „When the rich wage war, it’s the poor who die. (Linkin Park – „Hands Held High“)

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