A Bearer is you

Crystal-Bearers

2006 auf der E3 mit einem kurzen Trailer angekündigt, im Frühjahr 2007 mit einem weiteren Trailer gehyped und danach fast zwei Jahre Funkstille, was bewegte Bilder anging. Erst 2009 hat man wieder richtig etwas von Final Fantasy Crystal Chronicles: The Crystal Bearers gehört, welches im selben Jahr auch in Japan und den USA auf den Markt kam. Im vergangenen Februar war es auch für uns Europäer soweit, dass wir zuschlagen konnten. Ich nicht, weil ich es mir zu der Zeit nicht leisten konnte, obwohl ich gerne wollte. Aber who cares? Vor kurzem hab ich mir über Amazon für knappe 20 € die UK-Version gegönnt. Frei nach keine Ahnung wem: Hell, it was about time!

Wer schon einmal einen Teil aus dem Final-Fantasy-Sub-Franchise, Crystal Chronicles, gezockt hat, der sollte in etwa wissen, was ihn erwartet. Es dreht sich alles um Kristalle, wie in den frühen Teilen der Hauptserie, und die vier Völker der CC-Welt. Die Völker — oder Stämme, wie das Spiel sie nennt — sind gleich geblieben und entsprechen immer noch den vier klassischen Rollenspielcharakteren: Clavats, die Allrounder, Selkies, die Diebe, Liltys, die Krieger, und Yukes, die Magier.

Das Crystal Bearers spielt tausend Jahre nach dem ersten Teil der Saga auf dem GameCube. Das tödliche Miasma ist fast vollständig verschwunden und zwischen dem Ende von Crystal Chronicals und dem Anfang von Crystal Bearers wurden die Yukes im großen Krieg mit den Liltys durch Zerstörung ihres Kristall vom Angesicht der Erde gefegt. Mit den Yukes verschwand auch die Magie. Die Liltys haben als Sieger ein Königreich aufgebaut. Technisch hat sich die Welt im Vergleich zum Vorgänger selbstverständlich auch weiterentwickelt. Alles ist maschinenbetrieben und läuft mit Kristallenergie aus den Splittern des zerstören Yuke-Kristalls.

In ebendiese Welt werden wir zu Beginn des Games mit einer Cutscene geschleudert. Als Clavat Layle wurden wir zusammen mit seinem Selkie-Partner Keiss angeheuert, das Luftschiff Alexis auf ihrem Jungfernflug zu beschütze. Layle ist einer der titelgebenden Kristallträger, die Kristallfragmente in ihrem Körper tragen und so besondere Fähigkeiten besitzen.
Es kommt, wie es kommen muss: Das Schiff wird von Monstern angegriffen und wir müssen etwas unternehmen. Hier übernehmen wir zum ersten Mal die Kontrolle und schießen im freien Fall auf die Monstervögel. Auf dem Schiff taucht nach dieser kurzen Actioneinlage ein Yuke auf, der für den Angriff verantwortlich scheint, und natürlich ist der ein oder andere verdutzt — die Yukes wurden ausgelöscht. Damit beginnt eine wirklich gute Story im kristallenen Final-Fantasy-Universum, die einen bei Laune hält und dafür sorgt, dass man jede Einzelheit erfahren will, obgleich man manches auch vorhersehen kann. Während der erste Teil hier also mit das größte Manko hatte, können die Kristallträger in Hinblick auf die Story in ganzer Linie überzeugen. Nicht nur, weil alles etwas erwachsener wirkt, als bei den anderen CC-Teilen, sondern auch weil Layle aus eigenem Antrieb handelt und nicht einfach unwiderruflich in etwas verwickelt wird.

Aber Story ist nur das halbe Spiel. Gleichwertig ist immer das Gameplay, welches nicht ganz so überzeugen kann. Das Gesamte Gameplay baut auf Layles Fähigkeiten auf, was zunächst erfrischend erscheint, aber später teilweise recht nervig ist. Man nutzt die Kräfte des Clavats um z.B. Türen zu öffnen, Gegenstände und Leute durch die Gegend zu werfen und natürlich um Monster zu bekämpfen. Und genau bei letzterem liegt der Knackpunkt. Statt FF-like mit immer stärkeren Waffen auf die Biester einzudreschen, bekämpft man sie das gesamte Spiel über, indem man sie durch die Gegend wirbelt, aufeinander oder einfach andere Gegenstände auf die Viecher wirft. Das wirkt nach einiger Zeit einfach unheimlich öde, auch wenn man diverse Monster erst in bestimmte Richtungen wirbeln muss, damit man sie verletzen kann. Das Artet meist in zwar durchdachtem, aber unablässigen Pointern und Waggeln aus, was eine Krankheit von unheimlich vielen Wii-Titeln ist. Allerdings hat Crystal Bearers den Vorteil, dass man die Kämpfe auch zum Großteil links liegen lassen kann. Da es keine Zufallskämpfe gibt, sondern die Monster in Echtzeit auf dem Gelände rumlaufen, ist man nicht gezwungen, diese zu erledigen.

Allerdings hat sich Square Enix hier zu etwas entschlossen, was ich einfach als äußerst schlechte Lösung empfinde. In Crystal Chronicles laufen in bestimmten Gebieten überall Monster rum, während man im Großteil der Hauptreihe mit Zufallskämpfen rechnen musste. Hier ist das eine Mischung aus beidem. In fast allen Gebieten kann ein Miasmastrom erscheinen, der die Monster mitbringt. Dann kann man sich halt entscheiden, ob man das Pack erledigt oder einfach weiterläuft. Einen Unterschied macht es nur insofern, dass besiegte Monster Materialen liegenlassen und man, nach Besiegen aller Monster, den Miasmastrom verschließen kann. Wenn man das zum ersten Mal macht, bekommt man ein Myrrhefragment, was für einen zusätzlichen Lebenspunkt sorgt — ähnlich dem Herzcontainer in The Legend of Zelda. Bei nachfolgenden Malen bekommt man dann auch nur ein Material. Problematisch dabei ist, dass nach einer bestimmten Zeit das Gebiet wieder in den „normalen Modus“ zurückschaltet und Monster sowie Miasmastrom verschwinden. Man steht also unter Zeitdruck. Gefällt mir absolut nicht und hat mir ein, zwei Mal ein Strich durch die Rechnung gemacht, einen neuen Lebenspunkt zu bekommen. Manche Gegner sind einfach zu groß und hart im nehmen (fucking Monster-Behemot!!), um sie noch zu erledigen, nachdem man das Kleinvieh gekillt hat. Aber wie auch immer, es macht keinen großen Unterschied, ob man sie die Extra-Lebenspunkte holt oder nicht, man kann das Spiel auch ohne diese beenden.

Die eben angesprochenen Materialen nutzt man dazu, um sich Ausrüstung zu erstellen. Die Wahl hat man dabei zwischen Amuletten, Ringen und Ohrringen. Keine wirklich große Auswahl und eine wahnsinnige Auswirkung aufs Kampfgeschehen haben sie auch nicht. Mit einem Gegenstand, der alle 10 Sekunden einen Lebenspunkt wiederherstellt, bin ich durchs ganze Game gegangen. Von daher spar ich mir weitere Einzelheiten zu dem Kram.

Ein weiterer Kritikpunkt am Spiel ist die Kamera. Ständig musste ich sie nachjustieren, um einen vernünftigen Blick aufs Geschehen zu haben, oder um etwas zu greifen, was nahe am Bildschirmrand war. Die absolut bescheuerte, nicht änderbare Kameraeinstellung im Endkampf macht diesen auch unnötig… schwer ist nicht das richtige Wort, weil er dennoch recht einfach ist, es ist eher frustrierend, weil man durch die Sicht einfach viel zu oft getroffen wird, obwohl man leicht ausweichen könnte. Da kommt dem Spiel aber zugute, dass man nach dem Ableben direkt wieder am entsprechenden Punkt im Kampf einsteigen konnte und nicht den mehrteiligen Endkampf von vorne beginnen musste.

Ein weiter Mää-Punkt für mich ist der Sound. Dieser ist zwar durchweg passend, mit zum Gebiet passenden mal rockigen oder ruhigen Tracks, gefällt mir aber nicht so gut wie beispielsweise Sound of the Wind aus dem ersten Teil. Ich mag diese verträumten Klänge, die man in den meisten FF-Titeln zu hören bekommt, da sticht Crystal Bearers, mit Ausnahme einiger Songs, für mich einfach nicht positiv heraus. Aber gut, im Spiel wirkt alles passend zum Geschehen und allein das zählt. Dazu ist die englische Sprachausgabe eine wahre Wohltat. Äußert gute Sprecher, die das Gesprochene authentisch rüberbringen. Da hab ich schon viel, viel Schlechtere gehört.

Hui dagegen ist die Grafik. Wird von vielen ja auch mit als das Beste auf der Wii gehandelt. Das kann gut sein, wobei man da mehr hätte rauskitzeln können, hätte man nicht so auf den Open-World-Faktor gesetzt, der für mich auch nicht so notwendig ist. Aber alles sieht liebevoll designed aus, es gibt wunderbar verträume Orte, an denen man selbst gerne mal sein würde. Und detailarm ist es auch nicht wirklich. Problematisch wird es nur bei großen Explosionen oder sehr vielen Gegner auf einmal, denn da bricht die Framerate ein und es ruckelt, bleibt aber trotzdem spielbar. Das Open-World-Prinzip bringt auch das Problem des Aufploppens mit sich. Wechselt man die Abschnitte im Spiel, gibt es zwar keine direkt spürbaren Ladezeiten, aber man merkt am plötzlichen aufpoppen der Gegenstände und Charaktere, dass hier on the fly nachgeladen wird. Spielerische Abstriche gibt es dadurch nicht und auch die ansonsten flüssigen Übergänge gleichen das prima aus. Die Cutscenes sind übrigens fast vollständig in Ingame-Grafik, was einen dann nicht so krass aus dem Geschehen herausholt, wie z.B: der Unterschied zwischen Cutscenes und Gamegrafik bei einem Final Fantasy VII. Die atemberaubenden vorgerenderten Cutscenes vermisst man dann und wann aber doch schon irgendwie, so als Fan der FF-Reihe. Ein paar gibt es, aber die sind kaum der Rede wert.

Im Game trifft man übrigens auch alte Bekannte, wie sollte es anders sein? Den Behemot habe ich schon genannt, aber auch Kaktor ist als Gegner mit von der Partie, genauso wie the almighty Bahamut. Außerdem treiben sie überall Mogrys rum, die hier u.a. wieder als Postbote herhalten, welche stellenweise nervig ist, da er einen verfolgt (goddamned Stalker!), andere Mogrys hingegen sind Müllmänner und räumen die Müllsäcke von den Straßen. Stilzkin, wer kennt ihn nicht, ist auch dabei. Er dient hier quasi als Wegweiser, der einem sagt, wo man als nächste hin soll und einem auch direkt den Weg erklärt. Sehr hilfreich, da es keine vernünftige Map der Welt gibt. Ist aber verschmerzbar, da sie sowieso nicht so groß ist. Chocobos durften natürlich auch nicht fehlen und man darf sie hier mal wieder als Transportmittel nehmen. Und wer darf überhaupt rein gar nicht fehlen? Genau. Cid! Hier ist er ein Lilty, der allerhand Zeug erfindet und aussieht wie eine Zwiebel.

Und eins noch, weil mir das im Game tierisch auf den Sack ging: Alle paar Minuten ploppt ein Hinweis über eine neue Medaille auf, die man bekommen hat. Man bekommt für jeden noch so kleinen Scheiß eine verdammte Medaille. Ein Item das erste Mal bekommen? Medaille! Ein Monster in einer bestimmten Art angegriffen? Medaille! In einen ZUg gestiegen? Medaille! Ein dummes Gör gerettet, das auf einem Kürbis den Abhang runterrollt! MEDAILLE! Im ernst, ich HASSE es. Das mag für besondere Dinge ganz nett sein, aber für jeden winzigen Scheiß…
Fehlt nur noch, dass ich für jedes Gespräch eine Medaille bekomme. Ach… geht ja gar nicht, weil 99% stumme Statisten im Game sind, nur diejenigen, die eine Sprechblase über ihrem Kopf haben, sprechen mit mir. Der Rest ist stummer als stumm.

Ich würde zu gern noch einiges loswerden, aber der Text dürfte so schon wirr und lang genug sein und alles würde ich niemals unterbringen können, zumal ich bestimmte Dinge auch gar nicht spoilern will.

Was bleibt mir also noch groß zu sagen? FFCC: The Crystal Bearers ist bei Weitem kein RPG, was von Anfang an klar war, und spielt sich eher wie ein Legend of Zelda, denn ein Final Fantasy, das ist aber nichts Schlechtes, weil genau das den Unterschied von CC zur Hauptreihe ausmacht. Allerdings kränkelt CB etwas an den Macken, die es hier und da hat, und auch mit einer Spielzeit von 10 bis 15 Stunden, je nach Forschungs- und Sammeldrang, ist es nicht das längste Spiel seiner Art. Aber auch das macht nichts, weil man die ganze Zeit lang wunderbar unterhalten wird, obwohl nicht das gesamte Potenzial genutzt wurde.

Wen ein paar Makel hier und da nicht abschrecken und was mit Action-Adventures anfangen kann, der sollte sich das Game definitiv zulegen. Es ist das bisher Beste aus dem Sub-Franchise. Selbst jemand, der nichts mit Final Fantasy anfangen kann, kann getrost zugreifen. Viel hat es mit dem großen Bruder nicht gemeinsam. Gerade bei den Spotpreisen, für die man es aus dem Vereinigten Königreich importieren kann (~15 bis 20 €), gibt es keine Ausrede, wenn man es sich nicht holt.

1 Kommentar

  1. Hell, it was about time!

    Im Originalen heißt es „Hell it’s about time!“ und war der Spruch eines Space Marines der wieder in seinen Anzug gesteckt wurde im ersten Star Craft 2 Teaser ;)

    greez Web

    Antworten

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