Rhapsody: A Muscial Disaster

Rhapsody

Kennt ihr das? Ihr kauft euch ein Game. Ihr erwartet eigentlich absolut nichts von diesem Game, da ihr es nur gekauft habt, weil es günstig war und trotzdem seid ihr doch irgendwie enttäuscht. Ich hab mir vor kurzem Rhapsody: A Musical Adventure zugelegt und genau das ist mir mit diesem Titel passiert…

Rhapsody: A Musical Adventure ist ein Remake eines 1998 erschienenen PlayStation-RPGs mit demselben Namen. Das Game dreht sich um Cornet, die mit Puppen reden kann und ein Horn hat, das Wünsche erfüllt. Also ein Horn, wo sie reinblasen kann und das dann Geräusche macht. Nennt man im Allgemeinen auch Musikinstrument. Soweit so gut. Die Protagonisten quasselt also mit Puppen, was sonst keiner kann. Dazu gibt es noch ein Puppe, die etwas anders zu scheint als die anderen, denn sie kann sich bewegen und sprechen, sodass sie eben mit jedem Menschen reden kann. Eigentlich kein allzu schlechter Stoff, um eine halbwegs interessante Story daraus zu machen. Leider, leider ist sie das nicht. Klischeehaft mit unlustigem Humor. Klischeehaft in sofern, dass Cornet ihren Traumprinzen findet und dieser von der schönsten Hexe ever — nach Meinung der Hexe — zu Stein verwandelt wird. Cornet will ihre Prinzen dann natürlich retten. Schon zwanzigtausend Mal mehr oder weniger gut erlebt, hier nur mal zur Abwechslung mit vertauschten Rollen der Geschlechter.

Okay, okay, da kann ich auch drüber hinwegsehen. Wenn die Story nicht fesselt, muss der Rest es eben ausgleichen. Aber der schlechte Humor im Spiel, womit typisches Rollenspieler-Verhalten auf die Schippe genommen werden soll… Als ich ein Regal untersuchte ploppte ein Text auf, der grob übersetzt so lautete: „Ein Bücherregal… war schwer zu finden.“ Lustig ist anders… Okaaaaaaaay, auch da kann ich drüber hinwegsehen… Schließlich ist die Grafik mit den (oft sehr gleichen) melodischen Klängen sehr stimmig, wobei alles wie aus zuckersüßen Kinderbuch wirkt. Das geht zwar mit der Story Hand in Hand, durch den Humor wirkt es aber eben reichlich lächerlich. Dazu gesellen sich die titelgebenden Musicals, die sehr rar im Spiel gesät sind. Insgesamt sind es zehn und vier davon sind Variationen eines Songs. Leider bringt auch keiner davon — obwohl zwei, drei doch ganz nett anzuhören sind — dieses Feeling der alten Disney-Filme rüber. Kennt das noch wer? Dieses Gesinge in den alten Disney-Filmen, das man toll fand, obwohl man das sonst in jedem anderen Film total ätzend fand? Vielleicht liegt es bei Rhapsody auf dem DS daran, dass die Songs nur in japanisch vorliegen — was ich grundsätzlich immer unterstütze! — aber nachdem ich Songs der englischen Versionen aus der PlayStation-Version gehört habe, bringen die das Feeling eher rüber.

Was dem Game aber das Genick bricht, ist die absolut schwachsinnige Einfachheit. Anstatt mit Taktik und Geschick die rundenbasierten Kämpfe zu bestreiten, reicht es völlig aus, den Punkt auto anzuwählen und die Figuren alles von alleine machen zu lassen. Ich hab im Spiel zwar ein, zwei Mal eine Puppe im Kampf verloren, aber das macht absolut gar nichts, weil diese nach einem Kampf direkt wieder mit einem Lebenspunkt dabei sind. Die werden dann einfach mit einem Heilzauber kuriert und gut ist. Nach einem Level Up werden nämlich jegliche Zauber- und Lebenspunkte aufgefüllt, sodass man nie zu wenige davon hat. Und die Biestern leveln schnell, verdammt schnell. Das wird auch von dem Dungeon-Aufbau gefördert, der einen mehr als einmal in Sackgassen jagt. Ist auf Dauer zwar frustrierend, wenn man immer wieder in eine Wand rennt, obwohl oder gerade weil man eine total einfach gehaltene Karte auf dem oberen Screen angezeigt bekommt, die kaum hilft. Viel schlimmer sind allerdings die von mir sonst so geliebten Zufallskämpfe. Wobei man das hier gar nicht Zufallskämpfe nennen kann. Ich hatte den Eindruck, dass hier einfach ein Schrittzähler im Hintergrund läuft, der nach einer bestimmten verdammt kleinen Anzahl an Schritten die nächsten Gegner auf mich hetzt. Äußerst frustrierend, weil eben kein Stück fordernd. Dass das Game dann in gut zehn Stunden durchgespielt werden kann, ist dann eigentlich sogar eine Erleichterung, im Prinzip aber eher ein Armutszeugnis für ein RPG.

Im gesamten Spiel gibt es übrigens 16 oder 17 Puppen, die man finden kann, was aber völlig unnötig ist, wenn man nicht die Sidequest jeder Puppe machen will, da man mit dem Anfangscast und zwei weiteren Streitern sehr gut zurecht kommt. Vielleicht gibt es durch die Sidequests noch äußerst lustige Dialoge, die meine Meinung über den Humor ändern würden, aber das Spiel gibt absolut keinen Anreiz, dass man sich wirklich auf die Suche nach denen macht. Viele findet man aber eh nebenbei beim Stöbern in den Sackgassen-Dungeons…

Wie man wahrscheinlich rauslesen konnte, bin ich nicht angetan von dem Spiel und würde es generell auch keinem weiterempfehlen. Nicht einmal für die 5 €, die ich dafür gezahlt habe.

Die Bilder stammen von der offiziellen Website des Spiels

11 Kommentare

  1. „Horn, das Wünsche erfüllt“
    Ok.. hab da jetzt so an eine art Einhorn oder Teufelchen gedacht.
    „Also ein Horn, in das Sie reinblasen kann und das dann Geräusche macht“
    ..ähhh mein erster Gedanke: „Höhö reinblasen^^“
    zweiter Gedanke: „nee.. wie solln das gehn, wenn die das Horn am Kopf hat..“
    dritter Gedanke: „Oder hat die das Horn woanders??“

    tja.. man sollte immer erst weiterlesen bevor man spekuliert^^

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  2. Die Story könnte wohl auch nem schlechtem Disneyfilm entsprungen sein…

    Naja immer wieder erstaunlich wofür Leute ihr Geld ausgeben… hät nie gedacht das du dir so ein Spiel kaufst o.o
    Und ja die DisneyFilme waren noch genial ich kenn jedes Lied auswendig und hab auch teilweise welche fest in meiner winamp-playlist <3

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    • DS + RPG + verdammt günstig = Schwachstelle ;)
      Außerdem hat das Game nicht mal wenige Fans… Wobei ich mich aber wirklich frage, warum… Das Ding mag nett sein, um etwas Zeit totzuschlagen, wenn man sonst nichts hat, aber im Vergleich mit anderen Titeln wie Magical Starsign oder Dragon Ball: Origins stinkt das Game einfach völlig ab. Selbst ein Children of Mana ist in gewisser Hinsicht besser.

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      • signed! Nur achte ich meistens auch noch darauf, ob Spiele mit höheren Altersfreigaben evtl. geschnitten sein könnten, bevor ich sie meiner Sammlung einverleibe (die mittlerweile ein Eigenleben entwickelt, so scheint es). € 5,- für Legendary waren ein echtes Schnäppchen, derselbe Betrag für ein kurzweiliges, zu einfaches J-SRPG für DS scheinen fast angemessen. Wer’s mag, kanns ja kaufen. Ich würde es wahrscheinlich auch tun, hätte ich nicht dein Review gelesen. Ich bete ja immer noch für ein Final Fantasy 6-Remake für DS.

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        • Da ich spiele seit den unendlich großen USK-Logos eh nicht mehr in Deutschland kaufe (es sei denn es ist ein wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich verflucht günstiges Angebot), hab ich das Problem mit geschnittenem Content eigentlich weniger, deswegen achte ich da kaum drauf. Bei Wii-Games wird sowieso wenig geschnitten und die extremeren Titel erscheinen erst gar nicht bei uns, was das auch vereinfacht.

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  3. Essence of Nippon Ichi ? Do you know it? ^^

    Liest sich für mich eher wie ein Frust Review deinerseits ^^ Rhapsody hat definitiv Charme, wenn man sich ihm hingibt.

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    • Frust? Maybe, aber ich hab den Text drei Tage nach dem Beenden des Games verfasst, sodass ich mir auch noch etwas Zeit genommen habe, mir ein wenig Gedanken über den Titel zu machen (wie immer eigentlich) ;)

      Mag sein, dass Rhapsody seinen Charme hat, aber für mich ist das Game einfach eine Enttäuschung und wirklich das im Titel angesprochene Desaster, weil es einfach nichts schafft, vernünftig zu machen. Die Story ist ein Witz mit dem grottigen Humor, was man viel besser hätte umsetzen können. Die Musicals sind größtenteils nicht das Wahre und dazu kommt dieses unheimlich miese Leveldesign mit dem Kampfsystem, das man einfach alleine ackern lässt. Vielleicht ist die ursprüngliche PlayStation-Version da besser. Wenn ich mal drankomme, werde ich es definitiv mal ausprobieren, aber in der DS-Version ist es Softwaremurks, der sich im Genre gegen so gut wie keinen Konkurrenten durchsetzen kann, mit eigentlich großem Potenzial.

      Wenn es jemandem richtig gut gefällt, sag ich da auch nichts gegen. Ich finde ja auch das ein oder andere Game ganz nett, was andere richtig scheiße finden. In meiner kleinen Welt gehört es nur einfach nicht zu den besseren Titel, egal welcher Entwickler dahinter steckt ;) Aber da ist Rhapsody gar nicht das einzige DS-RPG, was bei mir einen viel größeren Verriss verdient hätte.

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  4. Wenn ich irgendwann ein DS habe, mache ich Dir ein unmoralisches Angebot Kollege ^^

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    • Unmoralisches Angebot? Bist du weiblich und hübsch? ;)
      Schätze mal, du willst mir das Game abnehmen, falls du mal ’nen DS haben solltest. Dazu muss ich aber sagen, ich gebe nichts her, was ich mir einmal gekauft habe, egal wie schlecht es ist.

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      • So spricht ein wahrer Sammler. Kenne ich aber von mi auch. Könnte mich heute noch in den Hintern beissen, dass ich damals drei meiner alten Xbox-Spiele verkauft habe, an die ich heute nur über größte Umwege drankommen würde.

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