DLC Quest – Satire pur

DLC Quest

Seit vielen Wochen hab ich wieder nichts geschrieben. Das schieb ich einfach mal auf die komplette Unlust und nicht vorhandene Kreativität — an der es mir sowieso dauerhaft mangelt — bedingt durch die derzeitigen Umstände im sogenannten Real Life. Auch die Langeweile ist in letzter wieder vermehrt vertreten, weil ich einfach nichts mit meiner Zeit anzufangen weiß und ich nie Lust auf überhaupt eines meiner zig hundert Spiele habe. Heute fiel mir dann aber ein, dass in einem der letzten Indie Royales ein kleines Spielchen namens DLC Quest enthalten war, das ich unbedingt noch spielen wollte. Gesagt, getan.

DLC Quest beginnt mit der Entführung einer Prinzessin durch den bösen Unbekannten, absichtlich klischeehaft. Aber die Story ist für das Spiel auch in etwa so wichtig wie der deutsche Wetterbericht für einen Eisbären auf Safari in Papua Neuguinea. Wichtig ist, dass spieltechnisch zu Anfang nur das Wichtigste vorhanden ist: Nach rechts zu laufen — ohne Animation, versteht sich — und mit dem Shopkeeper zu reden, der natürlich ganz zufällig DLC verkauft. Darunter natürlich einer, der erweiterte Steuerungsmöglichkeiten beinhaltet (nach links laufen, springen) und zufälligerweise genauso viele Ingame-Münzen kostet, wie auf dem kurzen Weg vom Start zu ihm lagen. Glück nennt man das wohl.

Aber damit nicht genug. Zwar ist nun die Bewegung in mehrere Richtungen möglich, aber noch immer fehlen Animationen und die gesamte Soundkulisse ist auch bisher nicht aufgetaucht. Da wir auf erstaunlich eindringliche Weise mitgeteilt bekommen haben, dass Münzen in diesem Spiel aus dem Puzzle ein Gesamtwerk machen, geht’s auf Münzenjagd. Nach und nach schaltet man mit den Münzen immer mehr frei. Die Animationen, die Musik, eine Waffe, die geschleift werden will. Mehrere tausend Male, wie der Schmied es sagte. Aber auch hier hat der Shopkeeper einen DLC im Angebot, der die ganze Angelegenheit beschleunigt. Kein offensichtlicher Vorteil im Spiel, nur eine Zeitersparnis! Mit dem Schwert werden neue Wege zugänglich, mehr Münzen wandern in die eigene Tasche, die dann direkt wieder für DLC auf den Kopf gehauen werden.

Nur mit weiterem DLC werden spielrelevante Gebiete zugänglich. Wie sollte man sich auch ohne Karte im tiefen Wald zurecht finden? Und das richtige Ende im Spiel gibt es natürlich auch nur per DLC. Das Spiel treibt die DLC-Politik so dermaßen auf die Spitze, dass ich manchmal nicht genau wusste, ob ich nun wirklich vor mich hingrinsen oder dem elektronischen Nostradamus huldigen sollte. Wenn Spiele irgendwann wirklich so einen Punkt erreicht haben sollten, dass sie mehr einem Bausatz ähneln, dann weiß ich, dass Letzteres richtig gewesen wäre. Aber so weit hergeholt ist das ja auch nicht, schließlich kann man sich ja heute schon diverse Spiele so zusammenstellen, wie man es mag — hier ein Kostüm kaufen, dort einen neuen Charakter, vielleicht noch eine neue Map dabei. Das lässt mich als Spieler doch ein wenig nachdenklich werden. Auch wenn ich sowieso schon nicht allzu viel von DLC halte.

30 Minuten benötigt man maximal, um das Spiel zu beenden und dabei jeglichen teils unpassenden und kosmetischen DLC und jegliches lächerliche Achievement, die gleich mit auf die Schippe genommen werden, zu bekommen. DLC Quest ist dabei aber eigentlich weniger Spiel, als mehr ein Stück weit Kunst. Kunst, die einem satirisch vor Augen führt, wie sehr sich die Videospielbranche verändert hat. Ein Spagat zwischen der Optik alter Spiele, als Sprites und nicht Polygone die Grafik dominierten, und der Spielepolitik der heutigen Zeit, die einem unfertige Ware von der Stange verkauft und Elemente in Spiele einfügt, die dort nichts zu suchen haben.

DLC Quest ist über Desura für PC und Mac verfügbar und erschien ursprünglich als Xbox Live Indie Game.

1 Kommentar

  1. Eines der viel zu wenigen Indie Games, die ich gezockt und wirklich genossen habe : D
    DLC Quest ist einfach so lustig, wirkt total übertrieben, aber gleichzeitig doch irgendwie nah am aktuellen DLC-Markt… zum einen erheiternd, aber auch erschreckend!

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